Benno-Ohnesorge Brücke Hannover

Hintergrund von Brückenentwürfen sollte es sein, die Brücke als solche auch erlebbar zu machen und somit vielleicht auch das Passieren zu einem Vergnügen. Das prägnante wellenförmige Erscheinungsbild der Benno-Ohnesorg-Brücke wurde aus ihrer Momentenlinie heraus entwickelt. Im Randbereich wird die Wellenform durch die sich aus den Konstruktionshöhen ergebenden Diagonalen des Fußgängerbereiches auch in die Grundrissebene übertragen und erlebbar gemacht. Durch den geschwungenen Verlauf der Geländer wird der sonst geradlinige Straßenverlauf bei der Überquerung der Ihme optisch so verändert, dass Fußgänger ein abwechslungsreiches Spiel von Enge und Weite erfahren und zum Verweilen über der Ihme angeregt werden.
Der Entwurf wurde im Rahmen eines Wettbewerbes der Stadt Hannover gemeinsam mit dem Architekturbüro Schulitz in Braunschweig erarbeitet. Er wurde mit dem 1. Preis ausgezeichnet.


Bild 1: Perspektive des Entwurfs

Vom Grünzug aus, der die Ihme begleitet, erleben Spaziergänger die wellenförmige Brücke aus der Untersicht. Die acht nach dem Momentenverlauf optimierten Balkenträger und der leichte, von einer filigranen Stahlkonstruktion getragene geschwungene Fußweg verdeutlichen dem Betrachter das Tragwerk und wecken Assoziationen zu Bewegung und Wasser.

Bild 2: Ansicht vom unteren Grünzug

Die im Grundriss geschwungene Geländerverlauf schafft Ruhe-Inseln und lädt ein zum Ruhen mit Wasserblick, Bild 3.


Bild 3: Geschwungener Geländerverlauf

Die Konstruktion ist eine Zweifeld-Verbundbrücke. Die Stützweiten betragen 46 und 23 m. Um die Belastungen für den fließenden Verkehr während der Bauarbeiten gering zu halten, wird die Brücke in zwei Bauabschnitten mit voneinander unabhängigen Überbauten realisiert (Bild 4). Die Mittelstützung der Brücke, die aus vier Lagerwänden gebildet wird, erlaubt mit den Zäsuren zwischen den Auflagerwänden nicht nur den freien Blick zur Ihme, sondern erleichtert auch den Bau in zwei Bauabschnitten. Jeder Überbau besteht aus 2 x 2 Hauptträgern aus luftdicht geschweißten Stahlhohlkästen, die über Kopfbolzendübel mit der schlaff bewehrten Betonfahrbahnplatte zum Verbundsystem gekoppelt werden (Bild 5 und 6). Durch eine parallele Stahlfertigung im Werk und Betonfertigung vor Ort ermöglicht die Stahlhohlkastenbrücke in Verbundbauweise eine kurze Bauzeit.

Bild 4: Grundriss und Ansicht

Bild 5: Querschnitt

Bild 6: Detail Randträger und Gehweg